Etwa 40% der Wähler in Hessen sind noch unsicher, welcher Partei sie am 27.01.2008 ihre Stimme geben werden.

Dies entspricht dem Trend, dass es immer weniger Stammwähler gibt und immer mehr Wechselwähler und Spätwähler, die mit ihrer Wahlentscheidung bis in die Wahlkabine warten.

War die Wahlkampfphase im Äppelwoicountry bislang gekennzeichnet durch die Mobilisierung der Stammwähler (hier Law&Order, da Mindestlohn), wird es nun einen Run auf die noch unentschlossenen Wähler geben.

Den Strategen in den Wahlkampfzentralen wird der Wähler wie Quecksilber vorkommen. Nichts zu fassen und ständig die Richtung wechselnd.

Die Schwankungen von Wahl zu Wahl werden teilweise immer dramatischer. Im Jahr 2004 gewann die CDU in Hamburg phänomenale 21 Prozentpunkte hinzu, rutschte aber in Sachsen um 15,8 und in Berlin um 17,1 Punkte ab.

Das Stammwählerpotenzial wird immer geringer, da sich auch die klassischen Wählermilieus auflösen. Es ist zwar immer noch so, dass regelmäßige Kirchgänger in ländlichen Milieus eher einer Partei mit einem „C“ im Parteinamen ihre Stimme geben und bei Facharbeitern die SPD überproportional hoch im Kurs steht – aber diese Gruppen nehmen zahlenmäßig ab und die Dominanz der Parteipräferenz in diesen Gruppen ist aufgeweicht.
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Bei der Bundestagswahl 2005 erreichte die Union in den alten Bundesländern bei den regelmäßigen katholischen Kirchgängern 72 Prozent. Der entsprechende Wähleranteil lag aber nur bei sieben Prozent. Und im Osten Deutschlands gibt es dieses kirchlich gebundene Wählerreservoir in dieser Form überhaupt nicht.

Ähnliches gilt auch für die SPD. Gerade mal sechs Prozent der Wähler im Westen der Republik sind aus der Arbeiterschaft stammende Gewerkschaftsmitglieder. Für Wahlkämpfer kann solch eine Tatsache ziemlich verwirrend sein. Man könnte meinen, dass ein Appell an die traditionellen Wählergruppen nicht mehr viel bringt.

Die Stammwähler sind es jedoch, die ein erstes Stimmungsbild bieten – welcher Partei, welchem Wahlkämpfer gelingt es die eigenen Anhänger zu mobilisieren, dort lag Roland Koch lange Zeit nahezu uneinholbar in Führung. Diese Phase ist nun abgeschlossen und die Jagd auf den Wechselwähler, den Spätwähler und auch den taktischen Wähler beginnt.

Alle Parteien, die Chancen haben in den Wiesbadener Landtag einzuziehen, haben eine Mobilisierung ihrer Anhänger von mehr als 80% erreicht, bei den Grünen sind es sogar 90%.

Dabei gibt es erstaunliche Zahlen: Bei der Bundestagswahl 2005 haben fast 20 Millionen Wähler ihr Wahlverhalten von 2002 nicht mehr wiederholt. 3,5 Millionen Nicht-Wähler von 2002 gingen nun zur Wahlurne, 4,2 Millionen Ex-Wähler blieben zu Hause.

Gewechselt wird zudem über die klassischen Lager hinweg. 420 000 Wähler tauschten 2005 allein Union und PDS aus. Davon gingen allein 350 000 von der Union zur PDS.

Zwischen 1994 und 2005 haben drei Millionen Wähler mal bei der einen, mal bei der anderen Volkspartei ihr Kreuzchen gemacht. Auffallend ist auch, dass sich immer mehr Bürger sehr spät entscheiden. Etwa ein Drittel der Wähler sind am Ende des Wahlkampfes noch nicht festgelegt.

Bei der Europawahl 2004 haben 42 Prozent der Wähler ihre Entscheidung erst in den letzten Tagen oder am Wahltag gefällt. Bei der vergangenen Bundestagswahl gab es 49 Prozent Spätentscheider.

Generell ist dabei die Quote der Wechselwähler und Spätentscheider, bei Landtagswahlen und auch bei der Europawahl sogar höher als bei der Bundestagswahl.

Für die Wahlkampf-Planer der Parteien ist die Botschaft einerseits klar: Wahlkampf bis zum bitteren Ende, bis zur letzten Minute - auch noch am Wahltag – ein Tabu in früheren Zeiten.

Die Frage ist nur: Mit welcher Botschaft? Wie kann man die Unentschlossenen erreichen.

Roland Koch und die hessische Union lancieren dazu gegenwärtig eine „Anti-Kommunismus“ Kampagne.

Dies ist ein beliebtes Mittel, erprobt in etlichen Unionswahlkämpfen.

Darin liegt allerdings auch die Gefahr. Dieses Thema ist so ausgeleiert, ziemlich von vorvorgestern, so dass man sich eigentlich nicht vorstellen kann, dass damit Wechselwähler motiviert werden könnten, ausgerechnet bei der Union ihr Kreuz zu machen.

Zudem hat Roland Koch, seit der völlig missratenen Kampagne zur Jugendkriminalität, ein schwerwiegendes Glaubwürdigkeitsproblem.

Bei den anderen Parteien ist dagegen kein Kampagnewechsel zu sehen. Die SPD setzt auf den Klassiker soziale Gerechtigkeit, die Grünen auf ökologische Themen, die FDP auf Freiheit, die Linke auf den vorsorgende Sozialstaat.

Es bleibt spannend – bis zum Schluß – dank dem Wechselwähler.

Quelle zur Entwicklung des Wahlverhalten: Kölnische Rundschau- Immer mehr Wähler entscheiden kurzfristig